„Dann gib‘ doch einfach ein paar Kügelchen.“

Von Wirkungen und Nebenwirkungen der Homöopathie

Kennst du das auch? Dein Tier zeigt leichte Krankheitssymptome – vielleicht ein bisschen Fieber, leichten Durchfall oder ähnliches – es ist Wochenende oder Mittwoch Nachmittag und du möchtest mit den Symptomen nicht zum tierärztlichen Notdienst. Aber so ganz ohne Medikamente möchtest du eben auch nicht…..

In dieser Situation höre ich dann oft den Satz: „Dann habe ich einfach ein paar Globuli gegeben. Die schaden ja nicht und bei meiner Stallkollegin / Gassipartnerin / Katzensitterin haben die auch geholfen.“ Das ist auf jeden Fall gut gemeint, stimmt so aber leider nicht. Richtig ist, dass homöopathische Medikamente zum allergrößten Teil aus natürlichen Stoffen (Pflanzen, Mineralien, tierischen Ausgangsstoffen) hergestellt werden und den Organismus daher weniger belasten. Viele dieser Ausgangsstoffe sind jedoch mehr oder weniger giftig, wie z. B. Arsen (Arsenicum), die Tollkirsche (Belladonna) oder der Eisenhut (Aconitum) und können bei unsachgemäßer Anwendung oder falscher Dosierung mehr schaden als helfen. Es stimmt auch nicht, dass homöopathische Medikamente nebenwirkungsfrei sind. Unpassend ausgewählt oder nicht angemessen dosiert, können auch Globuli Nebenwirkungen haben – sie helfen dann nicht oder verursachen zusätzliche Krankheitssymptome, die vorher nicht da waren. Aufpassen solltest du auch, wenn du mehrere unterschiedliche homöopathische Medikamente gleichzeitig oder nacheinander gibst: Nicht alle Homöopathika „vertragen“ sich miteinander. Einige heben sich in ihrer Wirkung gegenseitig auf, andere verursachen in Kombination zusätzliche Krankheitssymptome oder verschlimmern die bereits vorhandenen Symptome. Dann heißt es leider oft: „Homöopathie taugt nichts.“ Dabei taugte nur die Mittelauswahl und/oder -dosierung nichts. Denn „viel hilft viel“ ist auch bei der Homöopathie ein schlechter Rat.

Zum Schluß noch etwas, was mir persönlich sehr wichtig ist: Die Homöopathie arbeitet auf einer ganz anderen Basis als die Schulmedizin. Der Schulmediziner verordnet gegen ein bestimmtes Symptom (z. B. Schmerzen) einen bestimmten Wirkstoff (z. B. Ibu); dieser Wirkstoff hilft auch bei den meisten Patienten. Dies funktioniert in der klassischen Homöopathie nicht – mit Ausnahme einiger ganz weniger Substanzen, wie z. B. Arnica. Der Homöopath schaut in erster Linie auf den Patienten als Individuum, auf außergewöhnliche, besondere und charakteristische Merkmale und Symptome, auf den (vermuteten) Krankheitsauslöser und auf Faktoren, die die Symptome verbessern oder verschlechtern. Aus diesem Gesamtbild wird dann das für den individuellen Patienten in seiner momentanen gesundheitlichen Verfassung passende Mittel herausgearbeitet – dabei sind die Krankheitssymptome nur ein Puzzleteil unter vielen. Deswegen helfen die Globuli, die dem Pferd deiner Stallkollegin / dem Hund deines Gassipartners oder einer anderen Katze geholfen haben, deinem Tier eben oftmals nicht.

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